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©2007 Oliver Dombrowsky
Wie ich zu dem Hobby kam
Wie ich zu dem Hobby kam
 

Folgend habe ich zwei Erzählungen (Tagebuch 2003 - 2005) wie ich zu diesem schönen Hobby kam.

1. Bericht: Exoten in Franken
1. Wie es seinen Anfang nahm
2. Der Winter ist lang
3. Endlich kommt das Frühjahr
4. Das Frühjahr geht, ein sonnenarmer Sommer kommt
5. Der Herbst kündigt sich an
6. ... und nun zum Ende

2. Bericht: Exoten in Franken II

1. Der Herbst 2004 kündigt sich an
2. ... ein etwas verschlafener Winter zieht ein
3. Der Frühling 2005 kommt langsam ins Land
4. Der Sommer zeigt sich von seiner nasskalten Seite
5. Und nun zum Schluss


Exoten in Franken

1. Wie es seinen Anfang nahm

Im Juni 2003 wollte Henni (ein Studienkollege und Freund von mir)  seine Wohnung mit ein paar Pflanzen verschönern.
Daraufhin begleitete ich ihn zum nahegelegenen Pflanzencenter.
Während  er sich verschiedene Objekte aussuchte entdeckte ich eine Bananenstaude, die für 7 Euro zu erwerben war.
Da mich diese Pflanze sehr interessierte und ich in Sachen Bananen schon bei Nobse, einem anderen Studienkollegen und Freund eine große Bananenstaude (Ensete ventricosum) bewundern durfte, kaufte ich sie mir.
Da der Topf in dem sie stand mir sehr mikrig vorkam, nahm ich gleich einen mit, der für die Staude  längere Zeit genügen sollte.
'Daheim' (im Haus meiner Eltern), pflanzte ich sie um.
Jetzt wollte ich natürlich mehr über diese Pflanze wissen. Auf der beiliegenden Karte stand der angebliche wissenschaftl. Name, der lautete Musa Banana. Diese Angabe allein stellte mich nicht zufrieden, also ging ich ins Internet auf die Suchmaschine Google und gab diesen Namen ein.
Nach einigen Recherchen stellte sich heraus, dass es in Wirklichkeit ein erfundener Name ist und von gewissen Bau und Gartenmärkten verwendet wird um das Produkt besser vermarkten zu können. Der Name Musa steht allgemein für die Gattung der Bananenstauden, der folgende Artname „Banana“ war aber völliger Quatsch.
Ein Glück gibt es zahlreiche Botaniker die diese „Baumarktbanane“ richtig deuten konnten und diese Information ins Internet setzten. Es handelte sich bei meiner Pflanze also um eine Musa, die ursprünglich von der Sorte 'Dwarf Cavendish' weitergezüchtet wurde, mutierte und nun abweichende Wuchsformen zeigt. Diese sogenannten 'Baumarktsorten' stellen die gleichen Haltungsansprüche wie die Ertragssorte 'Dwarf Cavendish', die auf den Kanaren angebaut wird. Aufgrund dieser Erkenntnis war es jetzt nicht mehr schwer alle wichtigen Haltungsinformationen herauszufinden. Beim Wälzen in der Fachliteratur entdeckte ich andere Bananenstauden, die nicht wie meine aus tropischen Gebieten kommen, sondern aus Gebirgsregionen von China und Japan. Eine der bekanntesten Vertreter ist die „chinesische Faserbanane“ (Musa basjoo), die von einigen Pflanzenliebhabern in Deutschland ins Freie gepflanzt wurden und dort erfolgreich seit Jahren sogar überwintern.
D.h. natürlich unter gewissen Schutzvorkehrungen, denn ein Winter beispielsweise im Himalajagebirge ist zwar kalt mit Dauerfrösten bis  –15 °C in der Vegetationsebene, dafür jedoch niederschlagsarm.
In Franken kennen wir jedoch Dauerfröste von bis zu –25 °C, mit darauffolgendem nasskaltem Übergang zum Frühjahr.
Das sind für solche Pflanzen Extrembedingungen, daher ist ein guter Winterschutz bei uns unerlässlich.
Dass ich jetzt so eine „winterfeste“ Bananenstaude haben musste war ja wohl klar.
Alle Händler die ich im Internet entdeckte waren sehr weit entfernt und zudem noch sehr teuer.
Im August 2003 reiste ich dann mit meiner Freundin für zwei Wochen auf die Insel Kreta und erhoffte mir dort mehr Erfolg eine Musa basjoo zu ergattern. Bei zahlreichen Gärtnern fragte ich nach, doch leider vergebens.
Außerdem stellte ich fest, dass die Gärtner dort keine lateinische Bezeichnung kennen und somit ein Nachfragen nach meinem Spezialwunsch nicht sehr erfolgversprechend war.
Da auf Kreta ja nicht nur Bananen wachsen lenkte ich mein Interesse auf eine ganze Reihe an Pflanzen, die ich bei uns in Deutschland noch nicht gesehen habe. Daraufhin sammelte ich zahlreiche Ableger ein von Aloen, Kakteen, Mittagsblumen und schließlich auch noch Samen von Akazien, Oleander und Palmen.
Zurück im Frankenland wurde fleissig ausgesäht und die Ableger gesteckt. Als ich bemerkte, wie schnell die Saat keimte und die Ableger wurzelten war ich total begeistert.
Ende September entdeckte ich schließlich bei einem  40 km entfernten Pflanzenhändler mehrere grosse Bananenstauden, die dort im Freien standen. Im Stechschritt eilte ich zu diesen Stauden, drehte das am Stamm befindliche Ettiket um und darauf stand ...“Musa basjoo“.  Für 25 Euro war der Preis im Vergleich zu denen im Internet Angebotenen ein echtes Schnäppchen, zudem die Pflanze schon einen Meter hoch war und das auch noch mit zahlreichen Ablegern um den Stamm herum .
Kurzerhand kaufte ich diese schöne Pflanze, brachte sie mit etwas Geschick in dem Ford-K meiner Freundin unter und ab gings nach Hause.
Da ein Auspflanzen im Garten meiner Eltern noch etwas Überredungskunst erfordern würde und der „Heisse-Sommer“ auch schon vorrüber war, zog ich es vor die Banane von ihren Ablegern zu trennen, umzutopfen und in der Wohnung zu überwintern. Das Auspflanzen sollte erst im Frühjahr 2004 folgen, um der Pflanze bis zum Herbst 2004 eine komplette Vegetationsperiode zu gönnen.
Die Ableger zu trennen erwies sich als etwas kompliziert,da sie an einer gemeinsamen dicken Wurzel (Rhizom) hingen, welches wiederum von einem dichten Wurzelgeflecht umgeben war. Mit einem langen Messer wagte ich dann die Wurzelschößlinge herauszuschneiden.
Leider schnitt ich nicht tief genug und hatte von vier Schößlingen nur einen mit einer kleinen Wurzel erwischt, der sich jedoch frisch eingepflanzt innerhalb weniger Tage regenerierte und folgend neue Blätter austrieb.
Die anderen drei gingen leider ein.
Jetzt hatte ich also schon zwei getrennte Musa basjoos, die überwintert werden mußten.
Da meine Neugierde nach winterfesten Exoten noch lange nicht befriedigt war, beschäftigte ich mich weiter mit diesem Thema und entdeckte Internetseiten von Leuten aus Deutschland die aus Ihren Gärten eine kleine mediterrane Oase angelegt haben. Hier habe ich entdeckt, daß man bedingt sogar verschiedene Palmen auspflanzen kann und die Musa basjoo nicht die einzige winterfeste Banane ist. Desweiteren gibt es auch in unseren Breiten erfolgreiche Versuche mit Zitrusfrüchten, Feigenbäumchen, Granatäpfeln und Kakipflaumen.
Da ich mich aufgrund meiner Mitbringsel aus Kreta parallel auch noch zum Kakteenfan entwickelte und mir bekannt war, daß es ein paar Kakteen gibt die unsere Winter ebenfalls überstehen lag es wie zu erwarten nicht fern mit dem Gedanken zu spielen den Garten meiner Eltern ein exotisches Flair zu verabreichen.
Somit war meine neue Sammlerleidenschaft nach winterharten exotischen Raritäten geboren.

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2. Der Winter ist lang............

Da der Winter 2003/2004 sich ankündigte,mußte der Traum vom Anlegen des Palmengartens noch etwas warten, die Vorbereitungen jedoch nicht.
Nachdem sich meine finanzielle Lage nach Weihnachten deutlich verbesserte wollte ich meine Sammlung durch winterfeste Kakteen, Agaven und Mittagsblumen erweitern.
Das umfangreichste Angebot zeigte die Firma Kakteen-Uhlig bei Stuttgart, die eine der größten Europas ist.
Spontan fuhr ich ins Schwäbische und erwarb dort einen Großteil der von mir gesuchten Kakteen und Sukkulenten.(Pflanzen die in ihren Blättern Wasser speichern können und somit anhaltender Trockenheit trotzen)
Da frostresistente Kakteen kalt und völlig trocken überwintert werden müssen bekamen sie einen überdachten Platz auf unserer Terasse. Überwintert man diese  kältekultivierten Sukkulenten im Haus verlieren sie ihre Winterhärte.
Desweiteren erwarb ich verschiedene Samen von winterfesten Palmen und Bananenstauden.
Sogar im Lebensmittelladen an der Obsttheke entdeckte ich die ein oder andere Frucht die es sich lohnte im Winter anzusähen um bis zum Frühjahr eine brauchbare Topf bzw. Kübelpflanze zu erhalten.
Sehr keimfreudig waren Samen von der Feige (Ficus cariga), Granatapfel (Punica granatum), Pitahya oder auch Drachenfrucht (Hylocereus undatus).
Von diesen Füchten habe ich die winzigen Samen getrennt und auf das feuchte Substrat meiner Aussaattöpfchen gestreut und leicht angedrückt. Falls man diese Samen in den Boden steckt passiert gar nix, weil sie zu den Lichtkeimern zählen.
Übrigens gilt dies auch für den Oleander und die Akazie.
Außerdem habe ich noch das Glück gehabt, daß meine Nichte Camille so gerne Kaki-Pflaumen ißt und sie die normalerweise herausgezüchteten Kerne in ihrer Frucht entdeckte.
Diese Kerne und ein Avocadokern wurden jeweils in einen Topf in die feuchte Erde gesteckt.
Nach wenigen Tagen bis Wochen haben bei mir alle Pflanzen gekeimt .
Jetzt braucht man viel Licht, damit die Jungpflanzen ein gesundes kräftiges Wachstum erzielen.
Also habe ich alle Südfenster mit meinen Junpflänzchen belagert.
Wäre echt schön gewesen, wenn alles so problemlos weitergegangen wäre.
Durch das feuchte Substrat wurden Trauerfliegen (winzige kleine schwarze Fliegen) angelockt, die ihre Eier in die Erde legen. Dort schlüpfen deren Larven, die sich von dem organischen Material in der Erde ernähren, aber auch liebend gern die Wurzeln der Sprösslinge fressen.
Die Folge ist Blockade der Wasseraufnahme => Eintrocknen und Abwerfen der Blätter => die Pflanze stirbt. Nach verschiedenen Bekämpfungsmitteln aus dem Pflanzenladen stellte sich immer noch kein Erfolg ein.
Manche Sprösslinge haben auch die Mittel nicht vertragen.
In einem Internetforum über Exoten habe ich dann ein erfolgversprechendes Mittel entdeckt.
Es handelt sich um Bakterienkulturen die eigentlich in Regentonnen getropft werden, um dort Stechmückenlarven zu töten.
Tausendfach überdosiert im Gießwasser hat es dann im Blumentopf seine Dienste getan und ein Teil meiner Jungpflanzen konnte somit gerettet werden.
Diese Bakterien sind für Menschen und Pflanzen völlig ungefährlich.

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3. Endlich kommt das Frühjahr!

Jetzt war es so langsam an der Zeit meine Fantasien und Träume nach und nach in die Tat umzusetzen.
Das einzige was mir jetzt noch fehlte war eine kälteresistente Palme, die man bereits Ende März auspflanzen sollte.
Da meine Palmensämlinge unterschiedlicher bedingt winterharter Gattungen zum Auspflanzen noch ein paar Jahre benötigen, machte ich mich auf die Suche nach einer Pflanze, die mindestens einen Meter messen sollte.
Palmen ab dieser Grösse sind robuster und kältetoleranter.
Eine besonders widerstandsfähige Palme ist die sogenannte Hanfpalme (Trachycarpus fortunei), die aus dem Himalajagebirge stammt und seit 160 Jahren in Europa kultiviert wird.
In ihrer Heimat ist sie eine Nutzpflanze, aus der man Seile und Matten herstellt.
Sie verträgt Temperaturen zwischen-12 bis-18 ° Celcius, was jedoch stark davon abhängt, wie die Palme vorher kultiviert wurde. So sind zum Beispiel Exemplare aus der Toskana empfindlicher als welche aus den Pyräneen oder aus den Gebirgsregionen Norditaliens.
Auch individuel unterscheiden sich jede dieser Pflanzen in ihrer Frostverträglichkeit.
Es gibt zum Beispeil in Bulgarien Hanfpalmen die ohne Winterschutz -25°Celcius überstanden haben sollen. Dies zählt aber zu den Ausnahmen.
Bei uns in Franken muß man auf jeden Fall von November bis Ende Februar für einen guten Winter- und Regenschutz sorgen, eventuel sogar mit Heizung.
Da diese Palme oft angeboten wird, suchte ich einen Händler der diese Palme preiswert und zu guter Qualität verkauft.
Bei Ansbach wurde ich fündig und der Preis schien mir O.K..
Für 50 Euro kaufte ich dort eine Hanfpalme die mit Topf 120 cm misst und zudem schon einen Stamm von ca 30 cm hat.
Das war noch der leichteste Akt.
Die eigentliche Schwierigkeit war es einen geeigneten Platz zum Auspflanzen zu finden.
Die erste Hürde:   
Da in einem Garten unterschiedliche Mikroklimate herrschen, sollte man zur Auspflanzung den `mildesten` Platz dafür aussuchen.                                                                                                                                                                                                                                    Man braucht einen geschützten Standort, am besten in Südlage.
Es darf sich dort keine Staunässe bilden.
Die zweite Hürde:
Die Pflanze braucht einen Solidärstandort um besonders zur Geltung zu kommen.
Die dritte Hürde:
Meine Eltern vom richtigen Standort überzeugen.
Nachdem die erste und zweite Hürde einigermaßen zufriedenstellend bezwungen wurden, erwies sich die Dritte nach einigen Überredungskünsten meinerseits als ebenfalls gelöst.
Gleich holte ich den Spaten, hob ein ausreichend großes Loch auf unserer Terrasse aus und setzte meine Hanfpalme mit neuer Pflanzerde ein.
Dort ist zwar nicht der am besten geschützte Ort, dafür ist es Südlage und ein echter Blickfang in unserem Garten.



Im darauffolgendem April legte ich mein Kakteenbeet an, welches am Wiesenhang unterhalb meiner Palme enstehen sollte.
Um dieses Beet anzulegen braucht man zahlreiche Steine (Findlinge), verschiedenes Substrat (Pflanzerde,Kies, kalkfreien Sand und verrotteten Granit) und eine intakte Wirbelsäule, an der es mir leider fehlt.
Mit dem Hänger meines Vaters fuhr ich auf den nahegelegenen Glatzenstein (ein Berg in unserer Nähe), um dort meine Steine bzw. Felsen zu holen.
Auf dem Hochplateau sind  zahlreiche schön geformte Steine zu finden, die von den Bauern aus ihren Äckern entfernt wurden.
Nach zwei vollen Fuhren hatte ich dann genug Steine eingesammelt.
Am Abend hatte ich dann dafür starke Schmerzen in den Bandscheiben und mußte eine Woche mit dem Weiterbau meines Kakteengartens Pause machen.
Nach Beendigung meiner schmerzvollen Zeit war es dann endlich soweit und die Arbeit am Kakteenbeet konnte beginnen.
Als ersten Schritt mußte ich die Wiese am Hang vollständig entfernen. Als das meine Mutter bemerkte, bzw. ich ihren Gesichtsausdruck ...und der deutete nichts Gutes, war es an der Zeit ihr klar zu machen mir einfach zu vertrauen und Sie wie so oft von meinem Können zu überzeugen.
Als ich auch das wieder gemeistert hatte mußte ich nur noch mein Können unter Beweis stellen, was mich jedoch selber  zum Zweifeln brachte, denn der Hang sah momentan so aus,als ob er Bestandteil einer oft genutzten Moto-Cross-Strecke wäre.
Ich dachte mir schlimmer kanns ja nicht mehr werden.
Als ich dann meine Steine an geeigneter Stelle plazierte, meinte meine Mutter: “Bleibt das jetzt so?“
Das klang nicht sehr überzeugend und war in meiner Situation nicht gerade ermutigend, da ich wußte, daß ich erst am Anfang meiner Arbeit war und das Resultat natürlich auch meinen Eltern gefallen mußte.
Mit den kleineren Steinen schuf ich eine Terrassenstruktur die im Gesamtbild mit den großen Steinen zunächst mehreren untereinander angeordneten Ministaubecken entsprachen.
Den Boden füllte ich ca.15cm mit Kies der als Drainage dienen soll und überschüssiges Wasser abfliesen kann.
Dann mischte ich die Pflanzerde zu gleichen Teilen mit Kies und Sand.
Die“Becken“füllte ich bis ca 5-10cm unterhalb der Oberkante mit diesem gemischtem Substrat.
An geeigneten Stellen pflanzte ich meine winterfesten Kakteen, Agaven und Mittagsblumen halb tief ein. Dann bedeckte ich die Oberfläche mit dem verrottetem Granit mit einer Dicke bis zu 10cm, so daß man vom Wurzelballen der Kakteen nichts mehr sah.
Als ich die Arbeit an dem Beet beendete, war ich hoch zufrieden.
Ich war selbst überrascht wie gut das Zusammenspiel von Palme,Kakteen und Felsen in unserem mittelfränkischem Garten harmoniert.




Im Mai pflanzte ich noch meine beiden Bananen (Musa basjoo) aus.
Die Eine fand ihren Platz in der Nähe meiner Palme, die Andere neben der Schiffschaukel meines Vaters.




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4. Das Frühjahr geht, ein sonnenarmer Sommer kommt

Als sich der Sommer bei uns trotz der langen Kälteperioden bis Mitte Mai doch noch etwas verschlafen ankündigte, begann die Wachstumszeit meiner Exoten.
Besonders im Kakteenbeet konnte man nach jedem Sonnentag kleine Veränderungen beobachten.

Viele meiner Kakteen blühten in den verschiedensten Farben.
Besonders stolz bin ich auf einen Kaktus (Opuntia humifusa), der bei mir genau 50  gelbe Blüten entwickelte. Auch viele Neutriebe bzw. Ableger entwickelten sich.

Da das Kakteenbeet nach ein paar kleinen Defiziten bei meinen Eltern jetzt auch super ankam, überzeugte ich sie daß es einer kleinen Erweiterung bedarf, die jedoch den Bewegungsdrang der Katze meiner Eltern nicht einschränken sollte.
Da die Vergrößerung im Jagdrevier unseres Main Coon Katers Wodan liegt, mußte ich mir Gedanken machen einen Durchgang für den Schmusetiger zu integrieren .




Weil unser Wodan einen hohen Status in unserer Familie genießt, war mir klar, daß da kein Weg daran vorbei führt.
Es stellte sich jedoch bald heraus, daß ein Felsenlabyrinth für Katzen viel interessanter ist, als ein fester Weg.
Somit dient mein Beet also auch noch als Spielplatz für Katzen und das manchmal nicht nur zum Leid des ein oder anderen abgebrochenen Kaktusblattes, sondern auch zum pieksenden Schmerz der ein oder anderen Katze.
Ernsthafte Schäden oder Verletzungen waren ein Glück noch nicht aufgetreten.
Da im Sommer auch meine Semesterferien sind, hatte ich Zeit meine Sammlung exotischer Pflanzen noch weiter zu bereichern.
In meiner Sammlung sind jetzt noch mehrere Zitruspflanzen dazugekommen, die jedoch im Topf bleiben und in einem hellen, kühlen Raum überwintert werden müssen.
Zu den Exoten die in den Garten gepflanzt werden können habe ich auch noch zahlreiche Zugänge bekommen, wie verschiedene Yuccas (Palmlilien), eine Dreiblättrige Zitrone, eine Andentanne (Araucaria araucana), mehrere Kiwis, verschiedene Weinsorten, Pfahlrohr, zwei Bayernfeigen und einen Bambusbusch.

Zu der Dreiblättrigen Zitrone (Poncirus trifoliata) sei noch erwähnt, daß auf ihr oft essbare Zitrusfrüchte veredelt werden. Sie ist auch eng mit der Gattung Citrus verwand.
Weil sie Temperaturen bis –25°Celcius standhält kann sie bei uns ohne Schutz ins Freie gepflanzt werden, bekommt nach ein paar Jahren herrlich duftende Blüten und danach zitronenartige gelbe Früchte. Diese sehen zwar toll aus, sind aber leider ungeniesbar.
Die sogenannte Bayernfeige wird seit langer Zeit in Deutschland kultiviert und ist daher kältetoleranter als die herkömmliche Feige (Ficus carica) aus den Mittelmeerländern.
Sie tragen bei mir sogar Feigen, die vorzüglich schmecken.
Die ursprünglichen Feigen benötigen eine Gallwespe zur Fruchtbildung, die bei uns jedoch nicht vorkommt.
Einige Feigensorten, darunter auch die Bayernfeige sind durch Züchtung nicht mehr auf diesen komplizierten Befruchtungsvorgang angewiesen und bilden somit auch ohne Unterstützung aus dem Insektenreich voll ausreifende Früchte.
Da der Sommer dieses Jahr bei uns hier nicht gerade der Wärmste war, beschloss ich mit meiner Freundin Anja in der letzten Augustwoche nach Italien zu fahren.
Unser Ziel war so grob die Toskana, ohne einen genauen Punkt festzulegen.
Bei Florenz fuhren wir von der Autobahn ab und bewegten uns in Richtung Westen zum Meer.
Auf dem Weg sah ich zahlreiche Palmenplantagen, da war mir schon klar dass ich hier ein paar Pflanzen kaufen werde.
Jetzt war es vor allem wichtig, dass wir ein günstiges Hotel finden.
In dem ersten Hotel wo ich den Preis für zwei Personen „Bed & Breakfast“ erfragte war mehr als studentenfeindlich.100 Euro, und das für drei Sterne...nein Danke.
Anja hatte den richtigen Riecher, sie entdeckte ein kleines drei SterneHotel mit familieren Flair für 45 Euro.
Von dort aus unternahmen wir dann verschiedene Besichtigungen, wie zum Beispiel nach Pisa.
An einem Parkplatz in der Nähe des schiefen Turms entdeckte ich neben einen Garten eine wunderschöne Yucca.
Meinen Erkenntnissen nach handelte es sich um eine Yucca gloriosa, die in Deutschland ausgepflanzt werden kann und zudem ähnlich wie eine Palme einen Stamm entwickelt.
Diese Yucca mußte ich unbedingt haben, zudem ist sie in Bayern sehr schwer zu bekommen.
Neben der Yucca kehrte ein Italiener seine Hofeinfahrt. Anja meinte :“Frag doch den Mann, ob du einen Ableger haben kannst.“
Ich hab zwar ein Wörterbuch dabei, aber aus ein paar Wörtern einen verständlichen Satz zu formen schien mir zu kompliziert.
Also sagte ich zu dem Mann erstmal: “ Buongiorno! ... äh, können Sie deutsch.“
Ich bekam einen strengen die Blick zurück: “No“.
Da ich nicht gleich aufgeben wollte, dann eben so: “Do you speak english“.
Ein schon fast genervter Blick zurück mit: “No“.
Anja gab mir das Wörterbuch in die Hand, und jetzt, nach was soll ich jetzt schnell schauen, ohne den Mann zu lange von seiner Arbeit abzuhalten.
Da muß man sich anders behelfen, da Italiener hervorragend die Gebärdensprache verstehen, war das meine letzte Chance, den Herrn meinen Wunsch mitzuteilen.
Ist ja auch nicht so schwer, ich deutete auf einen der vielen Ableger die neben der grossen Yucca aus dem Boden wuchsen und dann auf mich.
Da wandelte sich das ernste Gesicht des Mannes in ein freundliches Grinsen und sagte : “Un momento“, legte seinen Besen weg, ging zu seiner Garage und holte eine Schaufel.
Gleich fing er an zu graben und schaufelte mir einen Spross aus, den er jedoch ohne Wurzel erwischte.
Er machte mir klar, daß der so nichts taugt und stach gleich noch einen mit Wurzel aus.
Das war echt super, ich freute mich und bedankte mich mit Handschlag
und : “Grazie mille“ und verabschiedeten uns mit: “Arrivederci“, zumindest diese Wörter brachten wir noch zusammen.
Ich wollte mir eigentlich noch einige Pflanzen bei einem Gärtner in Pisa kaufen,der super Preise hatte. Da wir aber vor hatten nicht den ganzen Urlaub in der Toskana zu verbringen, dachte ich mir, daß ich meine Pflanzen bestimmt wo anders in Italien auch noch bekomme.
Als wir nach ein paar Tagen Toskana noch an die Adria reisten um ein wenig Badeurlaub zu machen, stellte ich fest, daß die Palmen dort viel teurer sind. Ich fragte dort einen Gärtner warum das denn so ist.
Er antwortete: “We get our plants from Toskana“.
Na wenn ich das gewußt hätte, na ja vielleicht fahr ich mal wieder in die Toskana.

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5. Der Herbst kündigt sich an


Zurück in Deutschland sind scheinbar die warmen Tage gezählt und ein herbstliches Wetter steht vor der Tür.
Jetzt ist es Zeit langsam die Winterquartiere im Haus meiner Eltern einzurichten und meine vielen Kübelpflanzen dort an die jeweiligen Standorte zu verteilen.
So werden laubabwerfende Pflanzen dunkel und kühl überwintert.
Die Exoten, die ihre Blätter nicht verlieren, bekommen viel Licht durch spezielle Quecksilberdampflampen und ebenfalls einen kühlen Platz. Zum Beispiel die Zitrusfrüchte im Treppenhaus.
Beim Ausverkauf eines Baumarktes habe ich das grosse Glück gehabt und drei Hanfpalmen mit einen meter Höhe zu je 10 Euro erworben. Der ursprüngliche Preis lag bei 59 Euro. Da es jetzt zu spät ist sie auszupflanzen und eine Kübelpflanze im Garten viel weniger Kälte erträgt, werde ich die Drei im abgedeckten Lichtschacht
überwintern.
Auch mein Kakteenbeet  braucht die ersten paar Jahre ein lichtdurchlässiges Regendach.
Die Bananen werden oberirdisch abgefrieren, wobei die Wurzel im Boden geschützt durch einen Rindenmulchhaufen überleben soll und im darauffolgendem Jahr aus diesem Rhizom wieder austreibt.

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6. ...und nun zum Ende

Meine grosse Befürchtung ist, daß der Winter 2004/2005 sehr kalt wird und ich eventuel grosse Ausfälle haben werde. Ein Jahr zum Aklimatisieren vieler Exoten ist oft zu wenig. Kommt nach dem Auspflanzen im ersten Jahr ein Extremwinter, ist natürlich mit hohen Ausfällen zu rechnen.
Einer eventuellen Niederlage folgt meistens ein Erfolg, wenn man das von vornherein so sieht, kann eigentlich gar nix schief gehen und ich kann jetzt das Frühjahr schon gar nicht mehr erwarten.

Dieses Hobby bereitet mir total viel Freude und Ausgleich während meines stressigem und arbeitsintensivem Studiums, desweiteren hoffe ich bei Einigen das Interesse an Pflanzen geweckt oder verstärkt zu haben.
Außerdem ist es noch der Reiz etwas mediterane Urlaubsstimmung in den Garten zu holen,eventuel mal an einem warmen Sommerabend ein Gläslein Weißwein unter  Palmen zu genießen,

..................................................................................und das bei uns im Frankenland.

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Exoten in Franken II



1. Der Herbst 2004 kündigt sich an


Für den Exotengärtner ist der Herbst die arbeitsintensivste Zeit.
Da viele meiner Pflanzen den Winter im Frankenland nicht überstehen würden, oder starke Schäden davontragen ist es nötig für sie die passenden Schutzmassnahmen zu treffen.
Dies geht vom einfachen Mulchen mit Rindenabfällen bis zum Bau eines Foliengewächshauses.
Je empfindlicher die Arten sind, desto aufwendiger ist oftmals der zu errichtende Winterschutz.
Da meine Exotensammlung stetig anwächst, nimmt der Arbeitsaufwand im Herbst natürlich auch zu.
Bei einigen meiner Pflanzen muss man auch den richtigen Zeitpunkt abwarten,
wobei man sich nicht nach dem Kalender richtet, sondern die Wetterverhältnisse beobachtet.
Bei meiner Hanfpalme (Trachycarpus fortunei) konnte man mit dem Winterschutz warten bis es unter  - 8 °C hat, dann war aber die Errichtung eines Folienhäuschens erforderlich.

Die Japanische Faserbanane (Musa basjoo) wäre in einer Nacht bei dieser Temperatur oberirdisch komplett erfroren.
Um die Banane im folgenden Jahr in ihrer vollen Pracht erleben zu dürfen ist es nötig, dass ihr Stamm den Winter unbeschadet überlebt. Stirbt der Stamm im Winter ab, treibt die Staude im Folgejahr aus der Wurzel erneut aus und erreicht bei weitem nicht die Grösse eines überwinterten Stammes.

Dabei geht man wie folgt vor:

1. Ich wartete den ersten Frost ab bis die Blätter erfroren. Das geschieht meist innerhalb der ersten Nacht mit leichten Minustemperaturen. Der Stamm darf natürlich keinen Schaden davontragen.
2. Die erfrorenen Blätter wurden abgeschnitten und der Stamm auf 1 Meter mit einem scharfen Messer gekürzt.
3. Ich errichtete in ausreichendem Abstand um die Bananenstaude ein Holzkompoststecksystem.
4. Auf den Boden um den Stamm verteilte ich 30 cm hoch Rindenmulch.
5. Jetzt stopfte ich Stroh  bis einen halben Meter über dem Stammende ganz dicht in den Kasten. Luftzwischenräume wurden dabei vermieden.
6. Zum Schluss habe ich den Kasten mit einer Folie abgedeckt um Feuchtigkeit im Stroh zu verhindern.
7. Nach dieser Arbeit verabschiedete ich mich für die nächsten 5 Monate von meiner Bananenstaude: “Aufwiedersehen Musa“.




Weniger aufwendig sind meine Kakteen zu schützen.
Da eher Feuchtigkeit als Kälte für meine stacheligen Freunde ein Problem ist, braucht man nur einen lichtdurchlässigen Regenschutz.
Hier fand ein Polyesterdach seine Verwendung.
Zahlreiche Beispiele belegen, dass es auch ohne Dach klappt.
Trotzdem fühlte ich mich sicherer mit dieser Schutzmassnahme, da ich teils recht seltene Kakteen besitze und Verluste möglichst gering halten wollte.
Nachdem alle Exoten ihren passenden Unterschlupf erhielten konnte der Winter kommen.

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2. ...ein etwas verschlafener Winter zieht ein


Die kalte Jahreszeit 2004/2005 nutzte ich wieder mit der Kultur von einigen Palmen- und Bananensämlingen. Darunter sind auch einige Raritäten, die in Europa nur vereinzelt eingeführt wurden. Besonders erfreut war ich als meine ausgesähten Yuccas (Yucca rostrata)
bereits nach drei Tagen keimten.
Die Jungpflanzen, die mein halbes Fensterbrett besiedelten ähnelten einer Graslandschaft.
Den selben Eindruck hatte wohl auch Wodan (unser Kater), den ihr ja noch aus meinen ersten Bericht kennt.
Da Katzengras im Winter Mangelware ist, suchte unseren Wodan die Sucht heim und er graste meinen kleinen Yuccahain bodeneben ab. Dabei hat er kein einziges Töpfchen umgeworfen, wahrscheinlich dass ich seinen Anschlag nicht so schnell bemerke. Ein Glück haben nach diesem Gewaltrückschnitt alle Yuccas neu ausgetrieben.
Seitdem hat Wodan in diesem Raum Hausverbot.
Der Winter war bei uns in Franken sehr mild, mit einigen sonnigen Tagen.
Um meine ausgepflanzten Exoten musste ich mir bis Ende Februar keine Sorgen machen.
Als sich der März ankündigte, spielte ich schon mit dem Gedanken meine Palme aus ihrem Folienhäuschen zu befreien.
Doch auf einem Schlag fielen die Temperaturen mit Spitzen bis auf –23 °C ab.
Dazu hielt der Dauerfrost ganze drei Wochen an. Der verschlafene Winter hatte sich völlig unerwartet zum Schluss zu einem Extremwinter entwickelt.
Meine ganzen Exoten erhielten keine zusätzliche Heizung und ich rechnete mit hohen Verlusten.
Den extremen Bedingungen waren  viele einheimische Pflanzen zum Opfer gefallen, wie sollten es dann meine Exoten überleben.
Der späte Frost wirkte sich verherend auf viele Pflanzen aus.
Fast alle Pflanzen, die einen Winter überleben müssen bereiten sich das ganze Jahr auf die kalte Jahreszeit vor, um dann im Januar bis Mitte Februar ihre grösste Frosthärte zu erreichen.
Die Tage werden wieder länger, die Temperatur steigt stetig an, die Frostresistenz sinkt und die Pflanze treibt langsam aus.
Wird es dann extrem kalt, führt dies zu Frostschäden oder zum Totalverlust der Pflanze.
Viele Bauern streichen aus diesem Grund den Stamm ihrer Obstbäume weiss an, dadurch wird ein Aufwärmen des Gehölzes durch spätwinterliche Sonneneinstrahlung vermieden, der Neuaustrieb wird somit verhindert und Spätfröste werden dadurch besser toleriert.
Dass ich meine Palme nicht weiss anstreichen wollte kann hoffentlich jeder nachvollziehen.
Nach dem Dauerfrost entfernte ich das Folienhaus an meiner Palme und musste leider feststellen dass alle Blätter erforen waren.
Die erfrorenen Fächer entfernte ich mit einer Schere und behandelte die Schnittstellen mit Kohlestaub, um einer möglichen Pilzinfektion entgegenzuwirken.
Ein trauriges Bild, meine Palme bestand nur noch aus einem Stamm.

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3. Der Frühling 2005 kommt langsam ins Land

Jetzt war es endlich an der Zeit alle Winterschutzmassnahmen zu entfernen und festzustellen was überlebt hat und wie gravierend die Schäden sind.
Mein Kakteenbeet zeigte derzeit weder Verluste noch Schäden.
Der Bananenstamm hatte auf einer Höhe von 40 cm überlebt. Sogar die kleinen Seitentriebe waren unversehrt geblieben.
Zwei Feigenbüsche zeigten geringe Frostschäden an den einjährigen Trieben und ein Feigenbäumchen ist bodeneben zurückgefroren.
Meine ausgepflanzten sechs verschiedenen Yuccaarten haben alle ohne sichtbare Schäden überlebt.
Meine Bambuspflanzen zeigten an manchen Blättern Erfrierungen.
Die Hanfpalme  trieb neu aus, ein Zeichen, dass sie sich erholen wird.

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4. Der Sommer zeigt sich von seiner nasskalten Seite


Mit langsam zunehmenden Temperaturen zeigte meine Bananenstaude rasches Wachstum, bildete zahlreiche Ableger und eine Stammhöhe von 1,8 m mit Blattlängen von
ebenfalls 1,8 m.

Die Hanfpalme erzielte trotz des kalten Sommers acht neue Blätter.
Die Feigenbüsche wuchsen sehr stark und bildeten zahlreiche Früchte.
Sogar der kleine Feigenbaum trieb aus der Wurzel neu aus und erreichte eine Höhe von 0,80 m.
Desweiteren habe ich ein weiteres Yucca- und Kakteenbeet angelegt und noch drei kleine Hanfpalmen (siehe letzter Bericht: Schnäppchen im Baumarkt ) ausgepflanzt.
Meine Sammlung winterharter Exoten ging natürlich noch weiter.
Hinzu kam noch die Faszination an Bananenstauden, von denen ich nun 12 verschiedene Arten besitze und fünf davon für eine Freilandhaltung in Frage kommen.
Mein Granatapfelbäumchen das im Keller überwinterte zeigte im Juni sogar zahlreiche Blüten. Zur Frucht kam es jedoch leider nicht.

Im August starteten meine Semesterferien und es wollte einfach nicht aufhören zu regnen.
Also entschloss ich mit meiner Freundin Anja und meinem Kumpel Hendrik mit dem Auto nach Sizilien zu fahren.




Wir besuchten westlich von Palermo das Naturschutzgebiet “Riserva Naturale dello Zingaro“, welches für einen der wenigen Naturstandorte der Zwergpalme (Chamaerops humilis) bekannt ist.




Diese Palme kann in manchen Teilen Mitteleuropas ebenfalls ausgepflanzt werden, im Frankenland jedoch nur mit zusätzlicher Beheizung im Winter.
Da ich auf eine Heizung für meine Exoten bisher prinzipiel verzichte, kam diese Palme für mich nicht in Betracht.
Zudem waren deren Samen zu dieser Zeit noch nicht ausgereift.
Vielmehr war es für mich interessant wie sich diese Pflanzen ohne menschlichen Eingriff in ihrer ursprünglichen Umgebung präsentieren.
Besonders beeindruckend waren die vielen stilvoll angelegten zahlreichen Privatgärten mit exotischen Pflanzen, die wir auf  unserer weiteren Reise quer durch Sizilien bewunderten.
Da fängt man schon mal das Träumen an, “...wenn ich dort wohnen würde und wie ich dann meinen Garten gestalten würde.“ Bei diesem Klima wäre die Anzahl auspflanzbarer Exoten unvorstellbar gross.
Die schönen Gärten waren zwar zahlreich, aber wo gibt’s den dazugehörigen Pflanzenhändler?
Als wir die Keramikstadt Santo Stefano di Camastra besuchten, ergab sich dort eine nette Unterhaltung mit einer jungen Künstlerin, bei der wir einige Tonskulpturen für meinen mediteranen Garten einkauften.
Zum Glück sprach diese Dame ganz gut deutsch und so nutzte ich die Chance und fragte: “ Wo gibt es denn hier einen Gärtner mit Palmen und Bananenstauden ? “
Sie antwortete mir dass es in der Umgebung nur Blumengeschäfte gibt und die Leute mit Gärten ihre Pflanzen vermutlich vom Festland mitbringen.
Diese Nachricht war schon etwas entmutigend hier überhaupt irgendwelche erwerbbaren Exoten zu ergattern.
Nach unserem kleinen Einkauf in diesem Laden schlenderten wir noch etwas in diesem Ort umher. Auf dem Rückweg kamen wir nochmal an diesem Geschäft vorbei und die Künstlerin winkte uns zu sich.
Ein älterer Sizilianer stand bei Ihr, der eine Information für uns hatte.
Das war wohl mehr als ein Zufall, denn der Herr war ein Bekannter von Ihr und besitzt zahlreiche seltene exotische Pflanzen in seinem Garten. Da er kein deutsch konnte fungierte die Dame als Dolmetscherin.
Seiner Information nach gibt es einen guten Pflanzenhändler auf Sizilien und zwar in S. Pietro di Milazzo, gleich neben Messina. Die Künstlein übersetzte uns, dass wir beim “Vivai Torre“ fündig werden .
Das war natürlich super, denn am Tag der Rückreise konnte ich ja dort noch vorbeischauen, da in Messina die Fähren aufs Festland  übersetzen.
Als wir die Heimreise antraten machten wir uns, wie nicht anders zu erwarten auf nach Millazzo.
Ohne Adresse und ohne Stadtplan, sondern nur mit Information “Vivai Torre“ machten wir uns auf dessen Suche. Torre heisst Turm, also mussten wir nur nach einem Turm suchen.
Ich dachte da an einen Leuchtturm oder so.
Leider fand ich nach einer längeren Irrfahrt nichts dergleichen.
Also musste ich wieder nachfragen. An geeigneter Stelle zum Anhalten, entdeckte ich zwei Hafenarbeiter. Mit ein paar Brocken aus dem Wörterbuch probierte ich es dann: “Dove trovo torre de Millazo“
Der Eine zeigte auf eine mittelalterliche Festung oben auf dem Berg und sagte: “Castello de Millazo“
Naja dachte ich mir, hört sich auch nicht schlecht an und wir fuhren kurzerhand zur Burg.
Die war zwar echt toll und die umliegenden Gärten der Anwohner überboten alles was ich bisher auf dieser Insel gesehen habe, aber wo gibt’s denn den Gärtner dazu?
Und jetzt kommts, was macht man in so einer Situation, .... man denkt etwas nach und lässt sich von seinen Instinkten leiten.
Den Gärtner find ich nicht bei der Burg, weder am Hafen, noch in der Stadt.
Also fuhr ich aus der Stadt wieder heraus auf die Schnellstrasse Richtung Autobahn.
Als die Gegend etwas ländlicher wurde wäre ein Gartenbetrieb hier auch eher vorstellbar als in der Stadt.
Einen Turm fand ich aber auch hier nicht.
Ich beschloss an einer willkürlichen Stelle die Schnellstrasse zu verlassen, bevor wir auf der Autobahn landeten.
Dort fand ich aber auch nur Wohnhäuser, Äcker und Schrebergärten beim Durchstöbern zahlreicher kleiner enger Wege, Sackgassen, Einbahnstrassen und noch engerer Strässchen  bis auf ... halt, da ist ein Gärtner.
Ich blickte über das Tor, eine Vielzahl herrlicher Pflanzen gab es dort,
aber leider war hier um diese Uhrzeit schon geschlossen.
Ich war überzeugt davon, wo es Einen gibt, müssen noch Andere sein.
Also setzte ich meinen Streifzug fort.
Nur zwei Strassen weiter erblickte ich ein Schild, dabei traute ich meinen Augen nicht, darauf stand:
“Vivai Torre - Torre Dr. Natale -  Specialista in Piante Tropicali e Subtropicali Ornamentali e da Frutto“.
Dabei lachte ich gerade heraus.
Nun, soviel zur unmissverständlichen Kommunikation im Ausland.
Torre heisst zwar Turm, kann aber natürlich auch ein Name sein.
Na Klasse, nur dem Schild folgen und schon könnte man da sein.
Wenn das so einfach wäre, denn den Richtungspfeilen war es völlig gleichgültig ob es sich um eine Einbahnstrasse handelt, oder nicht.
Das war mir jetzt aber auch total egal, man muss sich ja im Ausland immer ein bisschen anpassen und demnach die Verkehrsführung genauso ernst nehmen wie die Sizilianer selbst.
Ausserdem hätte mich, nachdem ich den Exotengärtner gewittert habe nichts mehr aufhalten können.
Nun, nach ein paar verbotenen verkehrstechnischen Unternehmungen fuhr ich in die Hofeinfahrt von Torre Dr. Natale.
Riesige Gewächshäuser liesen mein Herz schneller schlagen, kurzum parkte ich an geeigneter Stelle und sichtete auch schon Dr. Natale.
Nachdem ich Ihn mit einigen lateinischen Pflanzennamen die ich gerne hätte bombardierte, antwortete er auf englisch, dass er Einiges davon hier ist was ich suche.
Na besser kanns ja gar nicht gehen.
Da wir begannen uns gut und durchaus wissenschaftlich zu unterhalten, entschloss sich Dr. Natale uns seine dort befindlichen Pflanzenkulturen in einer 1.5 stündigen Führung durch seine Gewächshäuser vorzustellen.
Er hat über 50 verschiedene Palmenarten und unvorstellbar viele andere Exoten die er sammelt, auf vielen Hektar Land kultivert und verkauft.
Ein wahres Paradies für mich, schon die Vielzahl an verschiedensten Duftjasminen, Helicionas, Zieringwer (Schmetterlingslilien), Cannas, Baumfarne, Palmfarne, Bananensorten, usw.  ...man kann gar nicht alles aufzählen.

Auch von einigen essbaren Pflanzen, die ich noch nie vorher gesehen habe gab er uns Kostproben.
Bei ihm erwarb ich drei verschiedene Bananensorten, eine Schmetterlingslilie, eine Süsspflanze (einsetzbar als Zucker, sogar für Diabetiker) und eine Zwergpalme (Chamaerops humilis “cerifera“).
Diese Zwergpalme “cerifera“ ist eine Unterart von Chamaerops humilis, die ich ja wie bereits erwähnt im Naturschutzgebiet bestaunen konnte.
Bei dieser Unterart handelt es sich um eine sehr langsam wachsende Palme mit schönen silbergrauen Blätter, die ursprünglich aus dem Atlasgebirge stammt, sehr selten ist und zudem mit starken Frösten weniger Probleme hat als die normale Zwergpalme.
Ob ich diese Palme in Franken auspflanzen werde weiss ich noch nicht, obwohl ihre kälteverträglichkeit vielversprechend sein könnte.
Ich musste denoch Abschied nehmen da es langsam spät wurde und wir noch mit der Fähre übersetzen mussten.
Meiner Überzeugung nach ist Torre Dr. Natale die Adresse überhaupt für Exoten, ich bin mir sicher, dass ich dort mal wieder vorbeischauen werde.
Nach einer nächtlichen Fahrt an Neapel vorbei, über die Abbruzzen und die Adriaküste hinauf, erreichten wir gegen Mittag Lido di Jesolo, wo wir uns noch ein paar Tage ausspannten.
Zwar gibt es auch hier zahlreiche Botaniker, die jedoch in keiner Art und Weise vergleichbar mit dem auf Sizilien gewesen wären.
Insgesammt bin ich in 13 Tagen 10.000 Kilometer durch Italien gefahren und muss sagen, dass es ein unvergessliches Urlaubserlebnis für uns war. Leider hatten wir zu Hause keinen so prächtigen Sommer, da steht der Herbst schon wieder vor der Tür und die Winterschutzmassnahmen werden langsam wieder beginnen, ein Aufwand von dem ich im Nächsten Jahr sicher profitiere.

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5. Und nun zum Schluss


Exoten in unserem Klima sind immer etwas Besonderes, die Herausforderung
die klimatischen Bedürfnisse für diese Pflanzen zu erfüllen,und zu beobachten wie Alles gedeiht machen dies zu einer meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen.
Man muss sich zwar für eine Kultur der Exoten einiges an Wissen anlesen (wovon ich übrigens nicht genug bekomme), aber der wahre Erfolg liegt in der Erfahrung, denn nur so kann man diese faszinerenden Lebewesen besser verstehen.
Irgendwie entwickelt man auch ein gewisses Fingerspitzengefühl dafür, wo welche Pflanze am Besten gedeiht.
Unser Garten wird in naher Zukunft noch mit anderen Exoten verschönert, die ich aus Samen gezogen habe und auf dem besten Weg sind sich für den Freilandaufenthalt zu qualifizieren.
Dazu zählen mehrere Kakibäumchen, Scheinakazien, Yuccas, Agaven, Nadelpalmen, Mazaripalmen, Sabalpalmen, diverse Bananen, Granatapfelbäumchen, Maulbeerbäumchen, Pfirsichbäumchen usw.
Desweiteren habe ich dieses Jahr auf unserem Wochenendgrundstück mit der Kultur von Bananen begonnen, wo aufgrund der Höhenlage die Winter etwas kälter ausfallen als in meinem bisherigen Anbaugebiet.
Ich bin mal gespannt wie gut sie sich dort entwickeln.

      Gruß
               Olli        
                            

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